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	<title>Kongress für Atemtherapie &#38; Atempädagogik</title>
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	<description>im Bürgerhaus Pullach</description>
	<pubDate>Tue, 03 Feb 2009 19:56:51 +0000</pubDate>
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		<title>Nachlese</title>
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		<pubDate>Mon, 26 May 2008 12:26:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[window.document.getElementById('post-590').parentNode.className += ' adhesive_post';

Mit ca. 540 Teilnehmern war der Atemkongress der AFA (Arbeits- und Forschungsgemeinschaft für Atempflege e.V.) und des BVA (Berufsverband der Atemtherapeuten e.V.) sehr gut besucht. Therapeuten, Ärzte und andere Interessierte trafen sich, um neue Fachinformationen zu erhalten, regen Austausch untereinander zu pflegen und auch zum Feiern des 50- jährigen Bestehens der AFA [...]]]></description>
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<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Mit ca. 540 Teilnehmern war der Atemkongress der AFA (Arbeits- und Forschungsgemeinschaft für Atempflege e.V.) und des BVA (Berufsverband der Atemtherapeuten e.V.) sehr gut besucht. Therapeuten, Ärzte und andere Interessierte trafen sich, um neue Fachinformationen zu erhalten, regen Austausch untereinander zu pflegen und auch zum Feiern des 50- jährigen Bestehens der AFA und des 5- jährigen Bestehens des BVA.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">&nbsp;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Faszinierende Vorträge, spannende Workshops und viele lehrreiche Behandlungsdemonstrationen machten das dreitägige Ereignis zu einem großen Erfolg.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">&nbsp;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Zum Atemkongress hat die AFA eine Festschrift herausgebracht mit historischen, sowie aktuellen Texten aus der Zeit ihres 50-jährigen Bestehens. Sie gibt einen Überblick über viele Aspekte der Atemarbeit. Außerdem erschien zum Kongress eine Interviewbroschüre mit dem Untertitel: Gespräche mit Menschen Wie erleben Sie Atemtherapie?</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">&nbsp;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Beides, die Festschrift (12 Euro) und die Interviewbroschüre (5 Euro) können Sie bestellen bei der <a title="Zur AFA-Seite" target="_blank" href="http://www.afa-atem.de/impressum.html">AFA Geschäftsstelle</a>.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">&nbsp;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Einige Vorträge stehen als Filmdokument auf DVD zum Kauf zur Verfügung. Bestellen können Sie diese unter <a href="http://www.dvd-wissen.com">www.dvd-wissen.com</a>.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">&nbsp;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Die Fotokünstlerin Dorothee Luik begleitete den Kongress. </p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Alle <strong>Fotos</strong> können Sie <a target="_self" href="/2008/?page_id=592">hier&nbsp;</a>ansehen. </p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Nachbestellungen auf <strong>Fotopapier</strong> erhalten Sie <a target="_self" href="/2008/?page_id=693">hier</a>.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">&nbsp;</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0pt">Stimmen zum Kongress finden Sie in unserem <a target="_self" href="/2008/?page_id=123">Gästebuch</a>.</p>
<p class="Stil12">Dem Ziel, die Wirkung der Atemarbeit zu erforschen und die Atemtherapie als eigenständige Disziplin in das Gesundheitswesen zu integrieren, ist die AFA mit dem Kongress deutlich näher gekommen. Wir danken auch an dieser Stelle von Herzen allen Menschen, die mit ihrem Wissen, ihrem Engagement und ihrem Mut zum Gelingen des Kongresses beigetragen haben.</p>
<p>Der AFA/BVA Vorstand</p>

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		<title>Willkommen</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Apr 2008 10:19:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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auf der ersten Seite mit Informationen über den demnächst stattfindenden Kongress für Atemtherapie / Atempädagogik in Pullach bei München. Vor 50 Jahren wurde die AFA (= Arbeits-, und Forschungsgemeinschaft für Atem-pflege) gemeinsam von Ärzten und Atemlehrern gegründet. Schon damals wurde die Notwendigkeit gesehen, die Wirkung der Atemarbeit zu erforschen und die Atemtherapie als eigenständige Disziplin [...]]]></description>
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<p><a title="" target="_blank" href="wp-content/uploads/2007/09/fh000016.JPG"><img title="" style="margin-bottom: 10px; margin-right: 20px" height="100" alt="" width="150" align="left" border="0" src="/2008/wp-content/uploads/2007/09/fh000016.JPG" /></a>auf der ersten Seite mit Informationen über den demnächst stattfindenden Kongress für Atemtherapie / Atempädagogik in Pullach bei München. <strong>Vor 50 Jahren</strong> wurde die AFA (= Arbeits-, und Forschungsgemeinschaft für Atem-pflege) gemeinsam von Ärzten und Atemlehrern <a href="/2008/?page_id=25">gegründet</a>. Schon damals wurde die Notwendigkeit gesehen, die Wirkung der Atemarbeit zu erforschen und die Atemtherapie als eigenständige Disziplin in das Gesundheitswesen zu integrieren. </p>
<p>Inzwischen liegen Forschungsergebnisse vor, die die Wirksamkeit der Atemtherapie z.B. bei Asthma bronchiale und Burn out nachweisen. 2003 wurde der Berufsverband BVA ins Leben gerufen. <strong>AFA und BVA</strong> veranstalten diesen Kongress und heißen alle Willkommen, die die ordnende und heilsame Kraft des Atems in Workshops an sich erleben wollen, oder sich in Vorträgen darüber informieren wollen. </p>
<p><strong>Auf dieser Homepage können Sie sich zudem aktiv beteiligen:</strong> alle Artikel oder Beiträge <strong>lassen sich durch einen Klick auf die blaue Schrift öffnen</strong>: ein Kommentarfenster erscheint jeweils am Ende des Beitrags, indem man seine Gedanken oder Ideen oder Kritik abgeben kann. Keine Angst: wir geben Ihre Daten nicht weiter! Wir hoffen auf ein lebendiges Miteinander. Dazu erhalten Sie überall, wo eine blaue Schrift erscheint zusätzliche Informationen. Anklicken genügt! Wir wünschen viel Spaß beim lebendigen Erkunden dieser Seiten. </p>
<p>Das Kongressprogramm bietet <strong>Weiterbildungsmöglichkeiten</strong> für Ärzte, Psychologen (die Landesärztekammer erkennt bis zu <a href="/2008/?page_id=463"><strong>13 CME</strong> </a>Fortbildungspunkte an), Heilpraktiker, Krankengymnasten, Masseure, Ergotherapeuten, Logopäden, Altenpfleger, Krankenschwestern und alle in Heilberufen Tätigen. Dazu ist es interessant für Lehrer, Pä¤dagogen, Erzieher, Sänger und Schauspieler. Darüber hinaus richtet es sich an alle Menschen, die die Atemtherapie kennen lernen möchten, oder sie bereits kennen und sich noch mehr über die unterschiedlichen Methoden unterrichten wollen. </p>
<p><strong><a href="/2008/?page_id=513">Monika Knünz im Namen des Vorstandes von AFA/BVA</a> </strong></p>
<p><strong>Danksagung: </strong></p>
<p>Wir danken an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen, die mit Ihrem Einsatz und Ihren Beiträgen diesen Jubilä¤umskongress ermöglicht haben, v.a. aber dem Kongressteam, namentlich Elisabeth Bergauer, Christine Meyne, Helga Segatz, Magdalena Unger, Regina Wagner sowie allen Spendern und Förderern dieses Kongresses.</p>

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		<title>Radio BR 2 Notizbuch  Mo 14.04.08   10.05 Uhr</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Apr 2008 08:51:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[

&#34;Klar, steig ich Treppen&#34; - Bewegung und Sport bei Asthma   Bloß keine Pausen - wie das Gehirn die Atmung steuert   Gut gegen Wechseljahresbeschwerden - was das richtige Atmen alles kann   Studiogespräch mit Dr. Karoline von Steinaecker, Atemtherapeutin aus Berlin und Bettina von Waldthausen, Atemtherapeutin aus München  
Moderation: Ulrike [...]]]></description>
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<p><span><font face=" Verdana">&quot;Klar, steig ich Treppen&quot; - Bewegung und Sport bei Asthma <br />  Bloß keine Pausen - wie das Gehirn die Atmung steuert <br />  Gut gegen Wechseljahresbeschwerden - was das richtige Atmen alles kann <br />  Studiogespräch mit Dr. Karoline von Steinaecker, Atemtherapeutin aus Berlin und Bettina von Waldthausen, Atemtherapeutin aus München<br />  </font></span></p>
<p><span><font face=" Verdana">Moderation: Ulrike Ostner<br />  <a title="" href="/?page_id=299">Podcast können Sie ab sofort unter&nbsp;der Rubrik &quot;Veröffentlichung TV/Radio&quot;&nbsp;anhören oder downloaden.</a>&nbsp;</font></span></p>
<p><font face=" Arial" size="3"></font>&nbsp;</p>
<p><font face=" Arial" size="3"></font>&nbsp;</p>

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		<item>
		<title>Wieviel „Methode“ verträgt der Atem?</title>
		<link>http://www.atemkongress.de/2008/?p=522</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 05:51:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[

von Herta Richter
Im Duden finde ich zu Methode den griechischen Ursprung „methodos“ – nach festen Regeln oder Grundsätzen geordnetes Verfahren. Aber auch „Weg, Gang, schrittweise, durchdacht“.  Wir sind seit der platonischen Philosophie in einem dualistischen Denksystem gefangen. Wir gewinnen durch Vergleichen, Unterscheiden, Gegenüberstellen Erkenntnisse und glauben, sie auf die Wirklichkeit übertragen zu können. Das [...]]]></description>
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<p><a href="/?page_id=149">von Herta Richter</a></p>
<p>Im Duden finde ich zu Methode den griechischen Ursprung „methodos“ – nach festen Regeln oder Grundsätzen geordnetes Verfahren. Aber auch „Weg, Gang, schrittweise, durchdacht“.<br />  Wir sind seit der platonischen Philosophie in einem dualistischen Denksystem gefangen. Wir gewinnen durch Vergleichen, Unterscheiden, Gegenüberstellen Erkenntnisse und glauben, sie auf die Wirklichkeit übertragen zu können. Das ist aber nicht möglich. Die dem Leben zugrundeliegende Wirklichkeit kann nicht dualistisch sein, sie ist eine Einheit. Der trennende Verstand kann zu dieser Einheit nicht finden.<br />  Wenn wir den Atem mit dem Begriff Methode verbinden, heißt das  <span id="more-522"></span>  &nbsp;„Weg, Gang, schrittweise, durchdacht – zum Atemgeschehen hin. Das ist alles zu bejahen, auch das „durchdacht“ allerdings zu seiner Zeit. Das offene, dem Atem zugewandte Lauschen ist eine eigene und unverwechselbare Form des Denkens.<br />  Das Handwerkszeug der Wissenschaft führt auf dem Weg des Denkens zu einer schrittweisen Erkenntnis auf der Ebene der Ratio. Auch in der Annäherung an den eigenen Atem ist das Gehen, die schrittweise Annäherung an das Wesen des Atems, der in uns wirkt und unsere Lebendigkeit trägt, ein guter Zugang. Doch der Weg&nbsp; zu sich selbst im Atem gehört&nbsp; einer anderen Ordnung an, die aus den Elementen und Funktionen des ganzen Lebens, des ganzen Menschen, aus dem Geist der inneren Einheit erwächst, nicht aus der Trennung. Diese Ordnung zeigt sich nicht im Prozess des bloß rationalen Denkens, sondern gerade in dem Sich -lösen davon, im Lernen zu lauschen auf die Stimme der Natur, des Lebens, im Geschehen-lassen dessen, was sich offenbart – gerade dadurch.&nbsp; Ich setze für das Wort „durchdacht“ im Moment die Begriffe „offen für die Welt“, „achtsam, spürsam, lauschend“.<br />  Wenn wir achtsam, spürsam dem Atem lauschen, können wir nicht anders, als uns unserem Inneren zuzuwenden, dem rhythmischen Geschehen, dem Strömen in unserem Körper. Da ist schon die erste wichtige Einladung aus der Trennung in die Einheit. Das Kommen , das Gehen, die Stille dazwischen. Und wichtig dabei ist, die Beobachter-Rolle zu verlassen und sich ganz mit dem Fluß zu verbinden. „Ich bin ganz in diesem Moment. Ich bin mein Atem“ Wenn das gelingt – und es dauert oft eine geraume Zeit – stellt sich eine Erfahrung von Geborgensein in der Zeit , im Raum, in der Welt ein. Dieses Erlebnis ist ein großes Geschenk, wir können es nicht machen, wir können es nicht haben wollen. Es gibt sich nur aus dem Einswerden, nie aus dem Beobachten eines Vorgangs.<br />  Ich komme noch mal zurück auf dieses „durchdacht“. Da die Annäherung an den Atem nicht an einen rationalen Denkprozess gebunden ist, sondern an ein Bewusstwerden dessen, was im Atem mit und in dem Menschen geschieht, wird die Vorherrschaft dieses Denkens entthront. An seine Stelle treten ganz andere Qualitäten:&nbsp; bereit zu werden, nicht nachzudenken, sondern nachzuspüren, dem inneren Leben nachzugehen, sich Zeit dafür zu lassen, es nicht greifen zu wollen, ihm still zu begegnen, um seine Stimme zu hören. Und wenn diese Stimme immer wieder hörbar wird, wird ihre Aussage mit der Zeit verständlicher. Es geht nicht mehr um „richtig“ oder „falsch“, sondern um die Wahrnehmung des Atems, des Lebens und seiner bewirkenden Kraft in uns. Da der Atem eine sehr große lösende, durchleuchtende Wirkung ausübt, bringt er vieles an den Tag, er schwemmt es gewissermaßen ans Licht, er kann so im wahrsten Sinne er-lösen.<br />  Traumatische Erlebnisse, oft aus frühen Zeiten,&nbsp; tauchen manchmal aus dem Dunkel des Unbewussten empor. Nun können sie verwandelt werden: Nicht im Denken, nicht im Reden, sondern in der heilenden, umfangenden Schwingung des immer&nbsp; bewußter werdenden&nbsp; Atems. Das Wort wird/kann folgen, manchmal vielleicht erlösend, wenn es das richtige ist, d.h. gefunden und sich formend aus dem Erleben, aus der Verbindung mit dem Inneren. – Dann wird vielleicht ein tiefer Atemzug oder Seufzer die festgehaltene Form lösen.<br />  &nbsp;Es wird immer deutlicher, wir befinden uns bereits auf einem Weg, auf dem die Sinne Wegweiser oder Orientierung sind.<br />  Ich denke hier besonders an die berührenden Hände in der Atembehandlung. Manche Menschen haben ein Leben lang gedacht, haben entdeckt und geforscht mit Hilfe ihres Intellekts, haben ihr Leben gebaut auf viele Vorstellungen und Gedankengebäude, und sie wissen nicht und spüren nicht, dass sie einen Körper haben, bis er sich vielleicht irgendwann sehr unangenehm zu Wort meldet.<br />  In der Berührung solcher Menschen zeigt sich oft eine große Hilflosigkeit, sie haben sich ja&nbsp; so lange aus ihrem Körper zurückgezogen. Der Körper versteht nicht. Wer hat sich denn aus ihm zurückgezogen? Die empfindende Seele. So ist er taub und stumm geworden. Um hier „erfolgreich“ zu behandeln, bedarf es innerer Stille, Geduld, Anschluß an die Verbindung mit sich selbst im Atem.<br />  &nbsp;Wesentlich in der Wirkung des Atems ist, dass er die Menschen schwingungsfähig macht und sie dadurch aus einer festgelegten, oft erstarrten Form herausnimmt, daß sie wieder fähig werden, zu reagieren.&nbsp; Reagieren&nbsp; können heißt lebendig&nbsp; sein. Das kann auch heißen, schreien,&nbsp; weinen,&nbsp; lachen, Grenzen werden erschüttert und irgendwann aufgelöst. Reagieren kann auch sein, ganz still den behandelnden Händen&nbsp; folgen und unter ihnen lebendig werden. Es heißt ja, zu antworten, auch dem Unbekannten. Es heißt auch: Gegensätze umspannen, im Atem. Das ist Atemkunst.<br />  Im Griechischen heißt methodos auch „nach festen Regeln und Grundsätzen geordnetes Verfahren“.</p>
<p>Hier stocke ich und es drängt sich mir das Wort aus der Bibel auf&nbsp; „Der Wind weht wo er will“.&nbsp; Wind –&nbsp; Atem - Pneuma –&nbsp; Spiritus, vertragen sie eine Methode um sie sich vertraut&nbsp; zu machen?<br />  Die Annäherung muß vorsichtig sein im Bewusstsein, dass immer das Ganze des Menschen einem entgegenkommt, also natürlich auch das eigene Ganze. Auch mit dem Bewusstsein, dass jeder Mensch eine eigene Welt darstellt, die sich in seinem Atem zeigt und erkannt sein will, die nicht in ein Konzept zu pressen ist. In meiner Fantasie melden sich zu den „festen Regeln und Grundsätzen“ für einen Atemlehrer:</p>
<p>-&nbsp;Bringe Dich selbst in Ordnung.<br />  -&nbsp;Jede Begegnung im Atem geschehe in Achtsamkeit und Achtung<br />  -&nbsp;Versuche, die Gesetze des Atems zu erkennen, indem Du Dich mit Deinem Atem vertraut machst und verbindest. Je deutlicher Dir diese Gesetze werden, mit desto leichterer Hand wirst Du sie bei Menschen, bei denen sie verloren gegangen sind, wieder offen legen.<br />  -&nbsp;Werde Dir bewusst, dass kein Atemzug wie der andere ist, dass also jeder Atemzug neu und einzigartig ist.<br />  -&nbsp;Lerne in der Behandlung und Atembegegnung Dein Herz zu öffnen, zu Dir selbst und zu dem Menschen, dem Du begegnen willst. Dann wird Deine Berührung, sei es die der Hände oder die Deiner bereiten Seele den Menschen direkt, ohne jeden Umweg, treffen und auf ihn wirken.</p>
<p>Da ist ein großes Potential an Freiheit. Wenn wir selbst diese Freiheit erleben, können wir sie auch den Menschen, die bei uns lernen, vermitteln.<br />  Diese Art Freiheit heißt nicht Wahllosigkeit, Beliebigkeit. Im Gegenteil. Sie heißt tiefste Verpflichtung zu dem sich ständig wandelnden Leben, zu dem Geist in uns. Ständige Offenheit, mit der Wandlung mitzugehen, also nicht halten wollen, was ist und gehen muß.<br />  Nur feines , in der Übung des Atems entwickeltes Sensorium wird in der rechten Weise das erfüllen können.<br />  Eine im voraus festgelegte „Methode“ wird diesem ganzheitlichen, tief inneren Geschehen leicht im Wege stehen.<br />  Die innere Erkenntnis führt auf dem Weg und eröffnet immer mehr Weisen therapeutischen Umgangs und Handelns.</p>
<p>Wir können ohne die Orientierung im äußeren Leben, die uns das dualistische Denken gibt, nicht leben. Wichtig ist, dass wir nicht glauben, das sei alles, hier sei die Lösung der Fragen des menschlichen Lebens. Viel zu deutlich sehen wir die verheerenden Folgen dieser einseitigen Verstehensweise. Leicht verliert sich der Boden.<br />  Ein Wort aus den Zen-Lehren sagt es so:&nbsp;&nbsp; leert die Köpfe,&nbsp;füllt die Bäuche. D.h. verliert den Boden nicht durch Eure überfüllten, angestrengten, vom Körper abgetrennten Köpfe. Bleibt in lebendiger Verbindung mit Eurem innersten Wesen, mit Eurer inneren Welt. Kommt in die Stille, indem Ihr Euer Denken hinunter senkt zu den Wurzeln.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Menschen<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; schauen immer von Gott fort.<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sie suchen ihn im Licht,<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; das immer kälter und schärfer wird,<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; oben. –<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Und Gott wartet anderswo – wartet –<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ganz am Grund von allem.<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Tief.<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wo die Wurzeln sind.<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wo es warm ist und dunkel.<br />  &nbsp;<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; (Rainer Maria Rilke)</p>
<p>Ich komme zu dem Schluß:<br />  Da der Atem so sehr Träger der Verbindung zwischen den menschlichen Ebenen Körper-Seele-Geist ist, verträgt er wenig Methode im gewöhnlichen Verständnis. Es wäre ein Missverständnis, daraus zu folgern, dass es nicht einen logischen Lernweg zur Entfaltung des Atems gäbe. Doch er ist sehr variabel, darf vor allem nicht an erster Stelle stehen. Er muß sich ganz nach den Bedingungen des einzelnen Menschen richten; der Rahmen einer Methode, wenn man diesen Begriff so anwenden möchte, müsste sehr weit gespannt werden, um den Menschen gerecht zu werden.<br />  &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br />  Doch „Weg, Gang schrittweise“&nbsp; -&nbsp; das alles passt zu dem Gehen auf dem Weg der Atementfaltung. Wenn wir tief genug hinuntergestiegen sind, wird das Denken sich nicht mehr so leicht trennend in den Weg stellen und stören. Da ist der Platz des „Durchdenkens“.<br />  Wenn diese Ebenen immer mehr in Einverständnis zueinander finden und sich nicht bekämpfen müssen, ihre Machtansprüche aufgeben können, wird der Mensch einen Weg finden zu innerem Frieden. Der Atem wird kraftvoll und sanft und tief in ihm schwingen.</p>
<p>Dieser Beitrag ist erschienen in&nbsp;&quot;Atemwelten&quot;, Reichert Verlag Wiesbaden 2005&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>

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		<item>
		<title>Das ordnende und heilende Wirkfeld im Körper</title>
		<link>http://www.atemkongress.de/2008/?p=535</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Apr 2008 14:43:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[

Aspekte der Salutogenese in der Atemlehre von C. Veening  von Irmela Halstenbach
Die Lehre vom Inneren Atem kann pädagogisch, therapeutisch oder psychotherapeutisch vermittelt werden, je nach dem Schwerpunkt der Ausbildung und dem erreichten Abschluss. Die Methodik ist in allen Fällen die gleiche. Im griechischen Wortsinn von Methodein, Nachgehen, gehen wir der Atembewegung im Unbewussten nach, [...]]]></description>
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<p>Aspekte der Salutogenese in der Atemlehre von C. Veening<br />  von <a href="/?page_id=383">Irmela Halstenbach</a></p>
<p>Die Lehre vom Inneren Atem kann pädagogisch, therapeutisch oder psychotherapeutisch vermittelt werden, je nach dem Schwerpunkt der Ausbildung und dem erreichten Abschluss. Die Methodik ist in allen Fällen die gleiche. Im griechischen Wortsinn von Methodein, Nachgehen, gehen wir der Atembewegung im Unbewussten nach, um etwas von ihrer anordnenden Wirkung wahrzunehmen. Es ist die Homöostase, dieses fließende Gleichgewicht im Organismus, das der Atem dem Bewusstsein nahe bringt. Es geschieht natürlich auch ohne Anwesenheit des Bewusstseins. Doch im Wahrnehmen und Wirkenlassen lernt das Ich  <span id="more-535"></span>  seine verborgenen Ressourcen kennen – eine immer noch zu wenig genutzte Möglichkeit zur eigenverantwortlichen Beziehung mit dem Körper.<br />  Wer den Atem wirken lässt, statt auf ihn einzuwirken, beginnt teilzunehmen an der subtilen, vielgestaltigen Innenbewegung des Atems im Körper. Ist es Körper? Ist es Seele? Heraklit sagt vom unermüdlichen Wirken der Seele, sie sei wie eine Spinne in der Mitte ihres Netzes. Bei jeder Verletzung des Leibes eile sie an diese verletzte Stelle, wie die Spinne, wenn irgendwo ein Faden des Netzes zerrissen ist.[1] Heraklit spricht von der Seele und beschreibt damit das Wirkfeld des Inneren Atems im Körper. Von wo immer eine Atemmethode sich seiner Innenbewegung nähert, im Zulassen und Erfahren beginnt ein tiefgreifender Lernprozess, der vom Leib ausgeht. Und da geht es zunächst noch nicht um Therapie.<br />  Das Vertrautwerden mit dem Atem der Zellen entwickelt zugleich die Fähigkeit, sich von ihm leiten zu lassen. Wer so arbeitet, folgt einer inneren Ordnung, die am deutlichsten im Atemaufbau der Wirbelsäule zu erkennen ist. Staunend beginnt die Wahrnehmung, das fließende Leben zu erkennen. Das bin ich auch? Cornelis Veening spricht vom Entstehen eines anderen Ich, „das nicht nur beobachtendes Nebenhergehen ist, sondern ein Zugleich von Wärme, die Beziehung ermöglicht, und einer Kühle der Wahrnehmung, die unterscheiden kann.“[2] Immer ist darauf zu achten, nicht mit Vorstellungen oder Handlungen einzugreifen, bevor die Atemnatur sich gezeigt hat. Sie tut das am ehesten, wenn wir sie nicht stören.<br />  Und dann wieder gibt es Augenblicke, in denen der Klient Anleitung und Unterstützung braucht, um sich dem subtilen Atem zu öffnen. Wer die Innenbewegung spürt und beginnt, sich auf ihre Autonomie einzulassen, lernt zu warten, bis der aufsteigende Atemimpuls von selbst kommt, versteht zunehmend, dass das umfassender ist als alles, was das Bewusstsein davon aufnehmen kann. Zur beruflichen Kompetenz – die ja bereits atemerfahren und spürbegabt ist – kommt die Fähigkeit, das Wirkfeld des Inneren Atems zu finden und anderen zu vermitteln. So kann das Bewusstsein teilzunehmen an einer ursprünglichen Salutogenese – dem Entstehen von Gesundheit aus dem körpereigenen Wissen. Ich will das an einem Beispiel erläutern:<br />  Ein junger Mann, Herr G., kam mit akuten Rückenproblemen in meine Praxis. Er war seit vier Wochen krankgeschrieben. Die Diagnose – „wahrscheinlich ein Bandscheibenvorfall“. Er bekam Cortisonspritzen und Novaminsulfon gegen die Schmerzen. Als die Apothekerin ihn über die Nebenwirkungen aufklärte, fing er an, sich neben der Behandlung nach Alternativen umzuschauen. Dabei entdeckte er das Buch eines Orthopäden[3], das dazu ermutigt, die Diagnose infrage zu stellen und nach psychischen Belastungen zu fragen. Zu mir kommt er mit der Frage nach dem Atemaufbau der Wirbelsäule. Wir verabreden drei Termine.<br />  In der ersten Stunde geht es darum, die Wünsche (bald wieder Sport machen zu können.) und Vorstellungen (die Diagnose) erst einmal beiseite zu lassen, um die Wahrnehmung zu wecken für das, was die Innenbewegung des Atems zeigt. Die Arbeit findet unter sehr eingeschränkten Bedingungen statt. Herr G. kann eigentlich weder sitzen noch liegen. Die untersten Lendenwirbel wirken wie eingeklemmt, die Atembewegung wie „angehalten“. Während ich über längere Zeit meine Achtsamkeit dorthin sammle, kommt mir plötzlich eine große Wärme entgegen. Ihre Intensität erstaunt mich. Herr G. sagt: „Da kommt jetzt eine starke Wärme. Die tut gut.“ Ich bleibe mit meiner Hand über dem Kreuzbein und nehme wahr, wie sich die Wärme im ganzen unteren Rücken ausbreitet. Das Wort „Herd-Wärme“ geht mir durch den Sinn. „Jetzt fühle ich eine Erleichterung“, sagt Herr G.. Für heute scheint es gut zu sein, nicht über diese Empfindung hinausgehen - sie so lange wie möglich zuzulassen und abzuwarten, was sie bewirkt.<br />  Am nächsten Tag bringt er einen Traum mit. „Ich bin in einem Fahrstuhl, der nach unten fährt. Zweimal hat er gehalten, dann bleibt er stecken. Jemand sagt: ,Der Staatsschatz liegt unten im Keller!‘<br />  Den Fahrstuhl versteht Herr G. als Bild für den Zustand seiner Wirbelsäule. Neu und überraschend ist, dass darunter ein Schatz liegt. Ist es ein Potenzial, das dem Ganzen des Organismus zugute kommen kann? „Die Symbole entstehen in der Tiefe des Körpers. Das Symbol ist lebender Körper – Körper und Seele.“[4] Hier ermutigt es dazu, der aufgenommenen Spur zu folgen. Es geht um etwas Grundlegendes, auch wenn der Zugang noch blockiert ist.<br />  Meine Hände nehmen den Kontakt zur Wirbelsäule wieder auf. Ich finde heute eine sehr zart auf und ab fließende Bewegung, die den noch immer „angehaltenen“ Kreuzbeinbereich umgibt. Die Selbstwahrnehmung ist wacher als bisher. Hat der Traum das Interesse geweckt, die verborgenen Kräfte zu entdecken?<br />  Am Abend vor der dritten Stunde ist Herr G. auf eine heftige Emotion gestoßen, in einem Maß, das er selbst nicht geahnt hatte. Das auslösende Ereignis lag Monate zurück, doch erst jetzt konnte sie sich äußern – Schmerz kam ins Fließen, Wut flammte als Empörung auf. Hat das Aufflammen der „Herd-Wärme“ damit zu tun? Fast erstickte Glut kann wieder angefacht werden, wenn Luft drankommt.<br />  Heute ist der Atem im oberen Raum viel freier. Die Atembelebung der Wirbelsäule ist jetzt durchgehend ansprechbar. Die Verbindung zur Steißwurzel gibt eine gute Resonanz. Während das Zentrum hinterm Brustbein sich belebt, sagt er: „Jetzt merke ich, dass mein Bewusstsein in der Wirbelsäule sein kann. Dass ich verantwortlich bin dafür, wie es ihr geht.“<br />  Es hat noch einige Tage gedauert, ehe sich die Besserung auch im Alltag zeigen konnte. Doch als sich drei Monate später ein Rückfall ankündigte, war Herrn G. sofort hellwach. Er setzte seine auf unterschiedliche Weise gewonnenen Erfahrungen um und blieb gesund.<br />  Immer wieder erstaunt mich, wie das Bewusstsein auf innere Lösungen vorbereitet wird. Empfindungen und Träume, körperliche Leiden oder schicksalhafte Ereignisse künden die Veränderung an. Die Atemwahrnehmung kann die inneren Zusammenhänge aufdecken und das Bewusstsein ermutigen, den eigenen Anteil zu erkennen, dem eigenen Schicksal auf den Grund zu gehen und seine Bedingungen anzunehmen. „In dem Maß, in dem uns aufgeht, dass das Unbekannte und Unvorstellbare unsere eigene ursprüngliche Natur ist, steht es uns nicht mehr als bedrohliche Wirklichkeit gegenüber. Es ist genau besehen nicht der Abgrund, in den wir fallen, sondern der Urgrund, aus dem heraus wir handeln und leben, denken und fühlen.“[5]<br />  Das autonome Geschehen hat seinen Ursprung in der Einheit des Körper-Seele-Selbst. Wie sonst könnten die selbstheilenden Impulse derart differenziert in alle Bereiche körperlicher, seelischer und geistiger Prozesse bis ins soziale Umfeld hinein wirken! Die vom Selbst her ordnende Bewegung des Atems und die Bereitschaft, von ihr zu lernen, kann ein sinnvoller Faktor im heutigen Gesundheitswesen sein. Denn allerorten wachsen die Bestrebungen, die Mitverantwortung der Patienten mehr einzubeziehen. Mitverantwortung für das Entstehen von Gesundheit ist nicht nur sinnvoll, gerade im Bereich psychosomatisch bedingter Erkrankungen. Sie kann auch die Begegnung mit sich selbst auf neue Weise prägen, als „ein Zugleich von Wärme, die Beziehung ermöglicht, und einer Kühle der Wahrnehmung, die unterscheiden kann.“</p>
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<p>[1] Heraklit, Fragment 67 a<br />  [2] Texte aus Erinnerung an C. Veening, S. 20, Waldmatter Kreis 1995<br />  [3] John E. Sarno, Befreit von Rückenschmerzen, Goldmann Arkana<br />  [4] C. G. Jung GW 9/1 291<br />  [5] Alan Watts, Freiburg 1998, S. 38</p>
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<p>Irmela Halstenbach, Dorner Weg 49, 42119 Wuppertal</p>

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		<title>Die Atemtherapie – ein Segen</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Apr 2008 11:23:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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von&#160;Martina Mitschelen&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;
Meine Mutter ist im Oktober 2005 im Kreis der Familie mit 84 Jahren friedvoll verstorben. Das liebvolle Abschiednehmen in ihrer Wohnung , umgeben von ihren Kindern, war möglich geworden durch die Atemtherapie, die sie in ihrem letzten Lebensjahr erfahren hatte.  Meine Mutter war bettlägerig, eingestuft in Pflegestufe 3, abhängig von dauernder Sauerstoff¬zufuhr und [...]]]></description>
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<p>von&nbsp;Martina Mitschelen&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Meine Mutter ist im Oktober 2005 im Kreis der Familie mit 84 Jahren friedvoll verstorben. Das liebvolle Abschiednehmen in ihrer Wohnung , umgeben von ihren Kindern, war möglich geworden durch die Atemtherapie, die sie in ihrem letzten Lebensjahr erfahren hatte.<br />  Meine Mutter war bettlägerig, eingestuft in Pflegestufe 3, abhängig von dauernder Sauerstoff¬zufuhr und vielen Medikamenten. Die ständig notwendigen Krankenhausaufenthalte ließen sie immer unglücklicher und unruhiger werden.<br />  10 Jahre vor ihrem Tod hatte sie im Verlauf einer stationären Behandlung ihrer Herzinsuffizienz, die von Herzrhythmusstörungen begleitet waren, Amiodaron bekommen. Das Medikament führte zu einer  <span id="more-521"></span>  Lungenfibrose, die meiner Mutter das Atmen erschwerte. Seit der Zeit war sie auf Sauerstoffzufuhr angewiesen. Auch nachdem die Fibrose 1 Jahr später zum Stillstand gekommen war, änderte sich nichts daran. Der Sauerstoffverbrauch steigerte sich auf eine 10 Liter Flasche pro Tag.<br />  Als offensichtlich war, dass die Schulmedizin nur noch Medikamente verordnete, die das Befinden meiner Mutter nicht verbesserten, sondern sie in depressive Stimmungen stürzte, brachten wir sie in ein anthroposophisches Krankenhaus. Nach Jahren fühlte sie sich in einer medizinischen Behandlung aufgehoben und wurde ruhiger. Die anthroposophischen Ärzte rieten uns zu einer Atemtherapie. Glücklicherweise fanden wir eine Atemtherapeutin, die meine Mutter zu Hause besuchte. Sie fasste schnell Vertrauen zu ihrer Therapeutin (Dagmar Müller, Korntal),&nbsp;und schloss sie in ihr Herz. Die Therapiestunden waren Stunden der Entspannung und des Glücks für meine Mutter.<br />  Nach der 3. Therapiesitzung benötigte meine Mutter keinen Sauerstoff mehr. Sie konnte sich wieder freier in ihrem Rollstuhl bewegen. Und sie nahm kaum noch Medikamente ein.<br />  In jener Zeit wandten wir uns an die Krankenkasse und baten, die Kosten der erfolgreichen Atemtherapie zu übernehmen. Die Kasse lehnte ab. Immer wieder. Unsere Widerspruchs¬schreiben schickten wir schließlich auch an den Vorstand. Sieben Monate nach dem Tod meiner Mutter übernahm die Techniker Krankenkasse schließlich die Hälfte der Therapiekosten. Die Zahlung erfolgte ohne Rechtsanspruch.<br />  Die Kosten für das eine Jahr Atemtherapie entsprachen in etwa dem Betrag, der zuvor in 3 Monaten allein für die Sauerstoffflaschen angefallen war. Die Atemtherapie hat 2800 € ge¬kostet, die Kasse hatte im gleichen Zeitraum in den Jahren davor 10 000 € für den Sauerstoff bezahlen müssen. Gespart hat die Kasse mit der Atemtherapie mindestens 7000 €, auch ein Krankenhausaufenthalt war in der Atemtherapie-Behandlungszeit nicht mehr notwendig geworden.<br />  Eine Seite sind die Kosten. Eine andere Seite ist, dass mit der Atemtherapie für meine Mutter ein Behandlungsrahmen weg von den Geräten entstand. Die menschliche Zuwendung, das Gefühl des Aufgehobenseins und verstanden zu werden, das ihr die Atemtherapeutin schenkte, war für meine Mutter in ihren letzten Monaten ein unfassbares Glück.<br />  Etwas Besseres als die Atemtherapie hätten wir für meine Mutter nicht finden können.</p>
<p>Martina Mitschelen&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Brunnenstraße 5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 34369 Hofgeismar</p>

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		<title>Die Aktivierung der inneren Heilkraft</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Apr 2008 14:16:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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von Hildegund Graubner, Gründerin der Schule für Personale – Initiatische Therapie anlässlich ihres 20. Todesjahres&#160; ( 1988 )
Die Aktivierung der inneren Heilkraft hat die Hingabe an den eigenen Wesensgrund zur Voraussetzung. Sie erfährt ihre Erfüllung in einem ganzheitlichen Heil-Werden des Menschen und damit zugleich ein „zum Heil werden für andere“.  Für die östliche Tradition [...]]]></description>
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<p>von Hildegund Graubner, Gründerin der Schule für Personale – Initiatische Therapie anlässlich ihres 20. Todesjahres&nbsp; ( 1988 )</p>
<p>Die Aktivierung der inneren Heilkraft hat die Hingabe an den eigenen Wesensgrund zur Voraussetzung. Sie erfährt ihre Erfüllung in einem ganzheitlichen Heil-Werden des Menschen und damit zugleich ein „zum Heil werden für andere“.<br />  Für die östliche Tradition ruht das Potential dieser uns inne wohnenden Heilkraft in der Tiefe des Bauch-Beckenraumes.<br />  Für die christlich-westliche Tradition ist dieser Quellraum die hingebende Kraft des Herzens.<br />  Könnte es die Aufgabe unserer Zeit sein, die Übewege des Ostens mit der Übung des Herzens im Westen zu verbinden ? – Im Sinn der inneren Reifung zur vollen, ihrer selbst aus der Tiefe bewussten Person, die ihr Gewordensein in die Verantwortung nimmt ?</p>
<p>Allmählich löst sich der Zwiespalt zwischen empirischer Wissenschaft und Erfahrungen, wie sie aus verschiedenen Kulturen und Zeiten überliefert sind.  <span id="more-520"></span>  „Wendezeit“ ist eines der Themen von Fridjoff Capra, dem Physiker.<br />  Hinwendung und Hingabe an den eigenen Wesensgrund sind die Voraussetzungen der Erfahrung der uns innewohnenden Heilkraft. Nur in der Stille kann sich die Quelle der inneren Heilkraft erschliessen.<br />  Wer hat den ausklingenden Klang einer Glocke schon einmal in sich aufgenommen und sich an die Schwelle tragen lassen, an der der Klang in die Stille übergeht ?<br />  Still – Werden, sich spüren, sich annehmen und sich aufnehmen – und sich einmal die Frage stellen : „worum geht es eigentlich in diesem ganzen Trubel des Lebens ?“ Unsere Zeit ist geprägt von der Not und Angst der Menschen und der Sucht nach Dingen oder Zuständen, die es ermöglichen, der Realität des Lebens zu entfliehen, und zugleich ist unsere Zeit geprägt von einem Umbruch und Aufbruch in eine tiefere Fragestellung an das Leben – nach dem Sinn des Menschseins.<br />  Neben der Drogen – und Tablettensucht steht die Sehnsucht ; neben der Sucht steht die Suche nach dem Sinn.<br />  „Wovon lebe ich, wodurch lebe ich, wozu lebe ich, und mit wem lebe ich ? Welche Lebenseinstellung und welche Lebenserwartung prägt mich, trägt und nährt mich ?“<br />  Lebe ich ein „Ja“ zur Erde, ein „Ja“ zum Himmel, ein „Ja“ zu mir, ein „Ja“ zu dem anderen ? Oder ist mein Leben ein „Nein“ zum Leben ? Jede Blockade, jede Verspannung oder Verkrampfung ist ein „Nein“ zum Leben, ein Hemmen des Lebensflusses und damit der Entwicklung. Krankheit ist Ausdruck eines Festhaltens der Lebensbewegung.<br />  In dieser Not des Verfahrenseins bietet die Krankheit aber auch zugleich die Chance des Innehaltens, der Besinnung, vielleicht der Umkehr.<br />  Gesund – Sein und Krank – Sein sind Zustände.<br />  Krank – Werden, Gesund – Werden sind Bewegungen auf etwas hin, sind Wege.<br />  Leben ist Bewegung, ist Veränderung, ist Werden und Vergehen.<br />  Es ist unvorstellbar, wie viele Bewegungen, Veränderungen gleichzeitig, unabhängig von unserem Wollen, in jeder Minute in unserem Leib geschehen. Viele Menschen wollen das Leben in dieser Weise nicht eingehen, sie wollen Bestehendes halten und sei es noch zu unbequem und leidvoll. Das ist sehr seltsam. Bewegung, Veränderung bedeutet für sie Verunsicherung und damit Angst. Die Aktivierung der inneren Heilkraft hat ein „Ja“ zum Leben als eine den ganzen Menschen ergreifende Verwandlungsbewegung zur Voraussetzung.</p>
<p>Einatem – Ausatem – Pause ; oder ist das, was wir als „Pause“ bezeichnen, nicht jenes Tremendum des Zwischenraumes, in dem Raum und Zeit wie in eines zusammenschwingen und uns die Dimension eines umfassenderen Menschseins ahnen lassen. Die Atembewegung, die ich nicht mache, die mir geschieht, ist e i n Ausdruck des Lebendigseins.<br />  Das Leben beginnt, das Leben endet mit dieser Bewegung.</p>
<p>Alles was lebt, atmet – und wird aus einer Quelle gespeist, die uns atmen lässt, aus der sich Leben gestaltet, immer wieder neu. Diese Urquelle erschliesst sich uns in einer Erfahrung, die jeder schon einmal gemacht hat in seinem Leben. Eine Beglückung, eine Erschütterung, plötzlich, die unabhängig ist von „Haben oder Bekommen“ – von gesund oder krank.<br />  Diese Begegnung mit unserer eigenen Tiefe ist zunächst das Geschenk eines Augenblicks, das eine Unruhe setzt aus der heraus das Suchen beginnt. „Wozu das Suchen, seit jeher ist der Ochse niemals vermisst worden.“ – heißt es am Anfang eines der alten Lehrtexte im Zen. Viele Menschen suchen heute den Ochsen – diese Quelle, die Rückbindung an den Lebensgrund. Die Religio als Rückbindung an das Unfassbare, das jeder Religion zugrunde liegt, das wir mit jeder Blume aber auch mit jedem Löffel in der Hand haben. Das Unsagbare, das in jedem Wort schwingt, und sich als Wort gestaltet.</p>
<p>Alle Übungen, Behandlungen, Gespräche innerhalb der initiatischen Therapie haben den&nbsp;Sinn : Bedingungen zu schaffen, unter denen sich der Mensch in der Qualität dieser Tiefendimension erfahren und verwirklichen kann. Dass er dann aus der Quellkraft dieser Tiefe auch gesunden kann, im Sinne des Heil-Werdens, ist die Folge dieser Selbst-Begegnung.</p>
<p>Die Frage und Suche nach der Heilkraft in uns mündet in die Frage und Suche nach dem Sinn des Lebens und heute mehr und mehr nach dem Sinn des Sterbens. Zielrichtungen im Aussen werden fragwürdig, vor allem in Grenzsituationen von Not und Krankheit, in denen es nicht mehr um Erfüllung im Aussen, sondern nur noch um eine Befriedung im Innen gehen kann.</p>
<p>Ich habe versucht, Ihnen nahe zu bringen, dass es in dieser Thematik der „inneren Heilkraft“ nicht nur um eine positive Lebenseinstellung geht, die natürlich auch heilend wirkt –<br />  oder um eine Möglichkeit, Gesundheit und Funktionstüchtigkeit, auch im Sinne einer Partnerfähigkeit, wieder herzustellen. Die Heilkraft, von der ich spreche, ist zugleich die spirituelle Kraft, die den Menschen in seiner Ganzheit auf allen Ebenen erfasst.<br />  Im Zentrum aller Religionen geht es um diese Kraft, - sie wird Lebensenergie, Ki, Ch’i, Kundalini genannt – und trägt noch viele Namen mehr. Sie zu wecken und einzusetzen war in früher Zeit in allen Kulturen nur dem Priester, dem König, dem Heiligen und Heilbringer, der zugleich auch der Heiler, also der Arzt war, zugeordnet. Das sagt auch, dass wirkliche Heilung – auch Gesundung – nur aus dieser Heilkraft geschehen kann. Das Zeichen des Arztes ist auch heute noch der Äskulapstab – die aufgerichtete Schlange als Symbol der weiblichen spirituellen Kraft, die sich mit dem aufgerichteten Phallus, dem Symbol der spirituellen männlichen Kraft vereint. Nur der, der diese Vereinigung von Menschlichem und Göttlichem, Ich und Selbst, Männlichem und Weiblichem, in sich verwirklicht hatte, war der Erleuchtete, der Verantwortliche – der Herr.</p>
<p>Das Wort Heilkraft weißt auf diesen Zusammenhang hin: „Die heilige Kraft“ ist auch die heilende Kraft, des Heiles und des Heilens. „Heilwerden“ ist umfassender als „Gesundwerden“.<br />  Ein Kranker, der nicht gesund wird, kann aber heil werden – und in diesem Gewordensein heilend wirken.</p>
<p>Hat der eine oder andere von uns das nicht schon einmal am Bett eines Kranken oder Sterbenden erfahren ?<br />  In der indischen Kundalini – Lehre heisst es, dass nur ein kleiner Teil dieser uns inne wohnenden kosmischen Energie „arbeitet“ – das heisst, fliesst – und dadurch das physische Leben erhält. Die chinesische Medizin kümmert sich um diesen Aspekt. Dieses Fliesssystem in den Meridianen in ungestörtem Fluss zu erhalten, ist Aufgabe der Akupunktur und mancherlei Übungen. Es dient der Vorsorge und Gesunderhaltung. Ein Arzt wurde früher in China bestraft, wenn sein Klient krank wurde.<br />  Auch die Heilweise mit Hilfe der Stimme – Anaphonesis – im alten Griechenland, oder Heilung durch Tönen der Priesterärzte im alten Tibet, beziehen sich wohl auf den physisch wirksamen, lebenserhaltenden Aspekt der Kundalini.</p>
<p>Wir treten in einen anderen Bereich ein, wenn es um das ruhende kosmische Potential geht, das als aufgerollte schlafende Schlange dargestellt wird. Das Wecken dieser ruhenden Kraft wurde vom „Erleuchteten“ als Geheimnis gehütet und nur einem kleinen eingeweihten Kreise, in unterschiedlichster Weise, auch in Übungen und Lehre, weitergegeben.<br />  Bis ins Mittelalter hinein gab es auch im Abendland solche Gemeinschaften.</p>
<p>Dieser „innere Aspekt“ der Kundalini öffnet den spirituellen Weg, schenkt dem Menschen die Erfahrung des Hintergrundes des menschlichen Daseins aus einem erweiterten Bewusstsein heraus und einer tieferen Liebesfähigkeit – stellt ihn damit aber auch in eine grössere Verantwortung im Dienst irdischen Lebens.<br />  Wenn wir von Aktivieren oder Weckensprechen, sagt das nicht, dass etwas in den Suchenden hineingepflanzt werden müsste. Es geht um ein Potential, das allen Menschen im gleichen Masse innewohnt – nur der Zugang ist unterschiedlich verdeckt, und die Bereitschaft, sich auf den notwendigen Innenweg zu begeben, ist nicht bei allen gleich.</p>
<p>Durch die Verbreitungsmöglichkeiten der heutigen Zeit – vielleicht auch, weil es Zeit ist, und nur eine vertiefte verantwortungsvolle Sicht und Einsatzbereitschaft die Menschheit retten kann, sind die Kreise aufgebrochen im doppelten Sinn. Viele Menschen haben heute einen Anruf, ein Angebot, sich auf den Weg zu machen. Wir können vom Osten viel lerne, denn dort ist der Weg des Übens reich entwickelt. Aber wir müssen ihn in unsere Kultur einbringen, ihn vereinen mit dem Weg des Herzens, indem wir den Glauben zur erfahrenen und gelebten Wahrheit des Herzens werden lassen.</p>
<p>Karlfried Graf Dürckheim und Frau Dr. Maria Hippius – jetzt Gräfin Dürckheim – prägten den Begriff der Initiatischen Therapie, in der das „Getroffen – oder Betroffen – Sein“ durch den Einbruch der grossen Lebensdimension notwendigerweise begleitet sein muss von einer Individuation. Individuation meint einen Reifeprozess, in dem die verdrängten Anteile des persönlichen Unbewussten ans Bewusstsein gehoben und integriert werden können.<br />  Ein verantwortlicher Umgang mit diesen Kräften der Tiefe – den Kernkräften – ist für den westlichen Menschen notwendig auf dem inneren Weg.</p>
<p>Swami Muktananda sagte einmal : „Ohne die Erweckung des ruhenden kosmischen Potentials gibt es keinen spirituellen Fortschritt.“ Aber es gibt auch keinen spirituellen Weg ohne die Erfahrung und Übung des Atems.<br />  Mein alter Zen-Meister sagte : „Zuerst die Haltung in Ordnung bringen, dann die Atmung in Ordnung bringen und dann das Herz in Ordnung bringen.“ – Wobei wir alle wissen, daass diese drei Übungen sich gegenseitig bedingen.<br />  Dann kann der Weg beginnen, als eine Einübung in den großen W E G .</p>
<p>Die Übungen des Ostens haben ein sich - niederlassen und zulassen im Bauch-Beckenraum zur Voraussetzung. Dort ist der Beginn allen Lebens, auch des spirituellen. Im indischen Raum ist die Entwicklung der Kraft in der differenzierten Lehre von den Energiezentren, die Chakren genannt werden, dargelegt worden. Die Energie nimmt den Weg von der Ausgangsbasis im tiefen Beckenraum bis zum obersten Zentrum am Scheitelpunkt. Es würde zu weit führen, wenn ich jetzt näher auf diese Lehre und meine Wegerfahrungen eingehen würde. Im christlichen Abendland spielt wohl der obere Bereich dieses Weges eine grössere Rolle – vielleicht aus einer gewissen Leibfeindlichkeit heraus ?</p>
<p>Aus dem Zen kommt die Übung des Hara, die Graf Dürckheim nach seinem langjährigen Aufenthalt in Japan in Europa „eingeführt“ hat. Hara heisst „Bauch“, meint aber letztendlich eine Gesamtverfassung des Menschen, in der er durchlässig wird für das grosse&nbsp; L E B E N . Das Sammeln der Energie in diesem Raum steht im Mittelpunkt der Zen-Übung.<br />  Eine Differenzierung der Energie, wie wir sie in der indischen Lehre vorfinden, wird im Zen nicht geübt, vielleicht, um den Schüler vor Faszinationen und Ablenkungen zu bewahren. Zen geht es nicht um die Sensation spiritueller Erfahrungen, sondern um die Aufmerksamkeit in die kleinen Dinge des Alltags, in denen sich das grosse LEBEN&nbsp; offenbaren möchte.</p>
<p>„Der Weg endet unter deinen Strohsandalen“ – sagt ein Zen-Wort.<br />  Jeder Schritt ist bereits Weg und Ziel.<br />  &nbsp;</p>

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		<title>Vom Krankheitsgefühl zum Gesundheitsbewußtsein</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Feb 2008 23:03:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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Vortrag von Prof. Dr. med. Volkmar Glaser   gehalten an der AFA-Tagung im Rahmen der Medizinischen Woche Baden-Baden 1986
Zur Publikation in LIP-Info 1/1997 schrieb Volkmar Glaser:  „Es freut mich, dass ein Vortrag von mir, den ich vor 10 Jahren auf einer AFA-Tagung gehalten hatte, im LIP-Info nachgedruckt wird. Erfahre ich doch dadurch, dass [...]]]></description>
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<p>Vortrag von <a href="/?page_id=506">Prof. Dr. med. Volkmar Glaser </a><br />  gehalten an der AFA-Tagung im Rahmen der Medizinischen Woche Baden-Baden 1986</p>
<p>Zur Publikation in LIP-Info 1/1997 schrieb Volkmar Glaser:<br />  „Es freut mich, dass ein Vortrag von mir, den ich vor 10 Jahren auf einer AFA-Tagung gehalten hatte, im LIP-Info nachgedruckt wird. Erfahre ich doch dadurch, dass die Grundauffassungen meiner Lehre trotz aller Weiterentwicklungen, die in dieser Zeit stattgefunden haben, von den LIP-Schülern noch immer mit einbezogen werden.“<br />  Wir stellen diesen Vortrag nach weiteren 11 Jahren ins Netz,<br />  1.&nbsp;zur Erinnerung an einen AFA-Gründer und als Rückblick auf frühere AFA-Aktivitäten,<br />  2.&nbsp;weil diese Grundauffassungen Glasers&nbsp; für die atemtherapeutische Arbeit nach wie vor wichtig sind,<br />  3.&nbsp;weil einige der zeitbezogen kritischen Aussagen leider heute noch gelten.<br />  Moia Grossmann, 2008</p>
<p><strong>Vom Krankheitsgefühl zum Gesundheitsbewußtsein</strong><br />  Prof. Dr. med. Volkmar Glaser (<span style="font-family: Helvetica">1912 - 1997)</span></p>
<p>1. Das Thema ist keineswegs nur ein Wortspiel. Denn, würde ich es umgekehrt formulieren - vom Krankheitsbewußtsein zum Gesundheitsgefühl - so würde ihm ein Sinn unterlegt werden, den ich nicht vertreten könnte.<br />  2. Man kann es als eine Art Kampfparole betrachten, geht es doch darum, nicht nur in Ärztekreisen, sondern grundsätzlich dem gefährlichen Trend entgegenzutreten, nur das Krankhafte im Blickfeld zu haben und blind für das wirklich Gesunde zu bleiben.  <span id="more-508"></span><br />  3. Die Auffassung: Weg von der Beachtung des Krankhaften im Menschen und hin zur Neuorientierung auf das Ziel Gesundheit, ist für mich seit Beginn meines Medizinstudiums ein Credo geworden, wenn sie so wollen, ein Glaubensbekenntnis, eine persönliche Ausrichtung meiner gesamten Berufstätigkeit als Arzt, Forscher und Lehrer auf dem Gebiet des Atems.<br />  4. Die Formulierung, „vom Krankheitsgefühl zum Gesundheitsbewußtsein&quot; beinhaltet daher einen Appell an die Pneopäden*, daß es ihre Aufgabe sein müßte, das Gesundheitsbewußtsein im Menschen zu entwickeln. Ich hoffe, daß ich Sie im Laufe meiner Ausführungen darin bestärken kann, einzusehen, dass der Weg zur Gesundheit über die Arbeit am Atem Ihnen selbst wünschenswerter erscheinen würde, als Krankheiten zu behandeln. Lassen Sie mich diese vier Punkte etwas ausführlicher darstellen.<br />  * seinerzeit gebräuchlich für Atempädagoge<br />  &nbsp;<br />  1.&nbsp; Was könnte mit der Formulierung„vom Krankheitsgefühlzum Gesundheitsbewußtsein&quot; gemeint sein? Um die Definition von „Krankheit&quot; und „Gesundheit&quot; ist schon mancher Streit entbrannt. Nichts geht dem Menschen so nahe wie sein eigenes Kranksein. Es betrifft ihn als ganze Person. Der Mensch fühlt sich in seinem gesamten Lebensgefühl beeinträchtigt, mißgestimmt und auf sich selbst zurückgeworfen. Die Beschwernis zwingt ihn, den eigenen Körper, seine eigene Befindlichkeit zu beachten. Durch nichts sonst wird ihm so deutlich, daß er einen Körper hat. Erst wenn dieser versagt, wird es dem Menschen bewußt, wie sehr er auf die Funktionstüchtigkeit seines Körpers angewiesen ist. Was zu Beginn seiner Unpässlichkeit vielleicht ein unbestimmtes Krankheitsgefühl sein mag, wird für ihn allmählich zum Krankheitsbewußtsein. Symptome treten auf, die er beachten muß und beschreiben kann. Solche Schilderungen setzt dann der Arzt zu einem spezifischen Krankheitsbild zusammen; das Krankheitsgefühl des Patienten wird für den Arzt zur „Krankheit“ (zu einer der 40 000 bereits definierbaren Krankheiten). Doch kann auch der Fall eintreten, daß der Arzt zu seinen objektiven „Befunden“ keine „Krankheit&quot; feststellen kann. Krankheitsgefühl ist also keineswegs identisch mit Krankheit. Schon von Schweninger, dem bekannten Naturarzt und Betreuer des alten Bismarck, ist überliefert, daß er gesagt haben soll: „Es gibt gar keine Krankheiten. Für den Arzt gibt es nur kranke und erkrankte Menschen!&quot;<br />  Da heutzutage für hochgestellte Persönlichkeiten des Business die Verpflichtung besteht, ihren Körper „durchchecken&quot; zu lassen, wird auch recht häufig das Gegenteil beobachtet: Da fühlt sich einer kerngesund und leistungsfähig und weiß nicht, daß er schon längst ein bedrohliches Magenkarzinom in sich hat Sicher kennen sie auch Menschen, die gebeugt oder offensichtlich schwer atmend daherkommen, Ihnen aber mit soviel offener Freude begegnen, daß sie Ihnen überhaupt kein Krankheitsgefühl übermitteln.<br />  „Gesundheit&quot; ist also ein sehr relativer Begriff. Ja, „Gesundheit&quot; ist - je nachdem, wie man es bezeichnen will - überhaupt kein Gefühl, sondern jener paradoxe Zustand, der sich gerade dadurch auszeichnet, dass keine Eigengefühle des Körpers da sind, daß man eben „nichts von sich spürt“. Plügge hat es sehr schön ausgedrückt, indem er sagte: „es gibt keine Auskunft über den Zustand unseres Körpers; es ist eine indiskutable Übereinstimmungen von Körper, Leib und Welt. Unreflektiert ist es letzten Endes nichts anderes als die Frische, mit der wir unbefangen uns allem zuwenden. Die Welt erscheint in einem verlockenden Glanz. Die Kommunikationen, die sich anbieten, erscheinen willkommen und leicht zu vollziehen.&quot; Deshalb spreche ich auch nicht von einem Gesundheits-„Gefühl&quot; als von einem Zustand, dessen man gewahr werden kann, sondern von einem Gesundheitsbewußtsein als einem Wissen um die Bedingungen, die dazugehören, um ein Verhalten zu kennzeichnen, dem der Begriff „Gesundheit&quot; zukommen könnte.<br />  Schon Heraklit hat in seinen Fragmenten die Ansicht vertreten: „Gesund-Denken ist die größte Vollkommenheit, nicht etwa gesund-leben oder gar gesund-sein!&quot; Und Schipperges, der sich dieser Problematik besonders angenommen hat, plädiert dafür, daß Gesundheit nicht als Zustand oder Besitz angesehen werden kann, sondern eher als „der Gang auf dem Wege&quot;, einem Weg, der sich erst bildet, wenn man ihn geht. Er drückt damit allerdings auch die Unsicherheit aus, die darin besteht, bereits gangbare Wege aufzuzeigen, die beschritten werden können. Um vieles leichter ist es, die gegenwärtige Situation zu kennzeichnen und auf die Hindernisse hinzuweisen, die die Aussicht auf ein Ziel versperren.</p>
<p>2. Da unsere heutige medizinische Auffassung durchaus nicht geeignet ist, das Gesundheitsbewußtsein im einzelnen Menschen wie in der Bevölkerung zu fördern, dürfen Sie meine Version vom Krankheitsge-fühl zum Gesundheitsbewusstsein auch als eine Kampfparole auffassen, die ich Ihnen nun als zweiten Aspekt begründen möchte.<br />  Ich fühle mich hier als Mitstreiter ähnlich denkender Experten im Ringen um einen Paradigma-Wechsel in der modernen Medizin, wie Affermann, Becker, Schäfer, Schulz, Schipperges und mancher anderer. Es geht keineswegs darum, den Ärzten die Schuld an der gegenwärtigen Situation zuzuschreiben. Es ist die erwartungsgemäße Konsequenz aus der politischen und sozialen Struktur unserer gegenwärtigen Kultur. Hier treten die Schattenseiten nur besonders deutlich in Erscheinung. Becker wettert gegen das Konsumdenken, das die Lebenshaltung der Bevölkerung bestimmt. Gesundheit wird als Besitz betrachtet, auf den jeder einzelne einen Anspruch zu haben glaubt. Statt daß man wie früher über mangelnde Gesundheit „klagt&quot;, „beschwert&quot; man sich heute, sucht aber nicht die Schuld bei sich selbst, sondern bei der Umwelt, die sie verursacht. Allenfalls wird nach Schipperges die Krankheit als eine „Panne aus der. Sicht des Benutzers einer Maschine&quot; empfunden und geschildert und der Arzt wird zum „Kundendienst-Mechaniker&quot; gemacht. Gesundheit sei zum Sozialprestige geworden, das einem zukomme wie ein komfortables Auto.<br />  Da sich eine so hohe Instanz wie die Weltgesundheitsorganisation zur Definition der Gesundheit als vollkommenes Wohlbefinden entschieden hat, geht nach Affemann die Stimmung des modernen Menschen auch dahin, den Zustand des vollkommenen Glücks für den Normalzustand des Lebens überhaupt anzusehen. Alles andere ist demzufolge Krankheit. Er folgert daraus: „In dieser Haltung fixiert der Mensch die Einstellung des Säuglings, für dessen Wohlbefinden die Mutter da ist&quot; „Es kann nicht ausbleiben, daß daraus Enttäuschung, Unzufriedenheit, Verdrossenheit und Protesthaltungen entstehen.&quot; „So macht der Anspruch auf Wohlbefinden von sich aus krank.&quot;<br />  Die Hoffnung, daß die soziale Krankenversicherung, die über 95% unserer Bevölkerung erfaßt, diesen Mutter- Ersatz bilden könnte, ist trügerisch. Hier gibt es kein persönliches Verhältnis mehr zum Kranken. Es ist ein „Dienstleistungsvertrag&quot; geworden. Mit der Sozialgesetzgebung 1881 wurde sogar Gesundheit als „Arbeitsfähigkeit&quot; fixiert und nach dem AIIes-oder-Nichts-Gesetz nur pragmatisch taxiert. Krankheit und Gesundheit werden dabei wie zwei Blöcke einfach gegeneinander aufgerechnet. „Man meldet sich krank, man wird wieder gesund geschrieben. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht&quot; (Schipperges). Der Arzt, der die Arbeitsunfähigkeit zu testieren hat, ist zum blassen Funktionär einer Medizinalverwaltung degradiert worden. So kommt Schipperges zu der resignierenden Feststellung: „ Der Arzt ist nicht mehr der Gesundheitsfreund. Verloren ging der Medizin ein Begriff vom Wesen, vom Gesundsein und Gesundbleiben, das Wissen um Gesundheit und eine Lehre gesunder Lebensführung.&quot;&#8217; Natürlich können die Ärzte dagegenhalten: „Der Arzt hat für die Kranken dazusein. Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes/ Darum beschränkt sich der „Sicherstellungsauftrag“ der Ärzteschaft ganz bewußt auf die Krankenversorgung. Vielleicht denkt Schipperges gar nicht so falsch, wenn er meint, die Ärzte verstehen nichts mehr von Gesundheit. Wie überall in unserer technisierten Kunstwelt hat sich auch im medizini-schen Sektor eine intellektuelle Überheblichkeit entwickelt, aus der heraus man vermeint, alles, selbst Gesundheit, sei technisch machbar. Es käme nur darauf an, die rechten Mittel gegen die Krankheiten zu finden und herzustellen. Durch dieses Allmachtsbewußtsein verliert sich mehr und mehr die Achtung vor der natürlichen Organisation des Lebendigen und das Vertrauen in die Selbstheilungskraft und in die bewundernswerte Regenerationsfähigkeit unseres Körpers. Es wird aber auch gleichzeitig die Lebensgesetzlichkeit ignoriert, dass Lebensschwierigkeiten und Belastungen zur menschlichen Reifung gehören, so wie der Altersabbau und letztendlich der Tod unabdingbar den Lebensablauf vollenden.</p>
<p>3. Lassen sie mich nun als dritten Aspekt meine eigene Auffassung vor Ihnen ausbreiten. Ich selbst bekenne mich dazu, daß die Ausrichtung auf die Gesundheit das wichtigste Anliegen sei. Es hat meine gesamte Berufstätigkeit von Anfang an bestimmt. Vor über 50 Jahren kam ich in die Schule von Johannes Ludwig Schmitt, dem Nestor und Präsidenten der AFA, dem Atem-Papst, wie manche mit etwas Übertreibung sagten. Ich erlebte in ihm eine Persönlichkeit, die wohl das Wort „Atem&quot; im Munde führte, doch nie den eigenen Atem beachtete. Ihn interessierte stets nur der Atem seiner Patienten. Seine eigene Atemfülle und -dynamik entfaltete sich im Ringen um den anderen. Es hat einer gewissen Zeit bedurft, bis ich das erkannte und auch selbst von der Beachtung meines eigenen Atemablaufes los kam - weil wir ja als Schüler so oft darauf hingewiesen wurden. Bedenken Sie: dass es nach alten Zen-Lehren das schwerste sei, den Atem wieder zu verlernen, wie Graf Dürckheim sagt.<br />  Aus dem Ringen um die Atemgesetzmäßigkeiten entwickelten sich auch programmatische Folgerungen für die Entwicklung eines Gesundheitsbewußtseins. Allerdings sträubte sich in mir immer wieder etwas gegen den Begriff „Gesundheit“, weil ich ihn nicht von mir aus bündig definieren konnte. Sie werden es verstehen, wenn ich meine eigenen Bedenken an der Definition durch die Weltgesundheitsorganisation orientiere. Sie legt fest „Gesundheit ist der Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.&quot;&#8217;<br />  An sich wäre gegen diese Formulierung nichts einzuwenden, würde man sich mit der Relativität dieser Definition bescheiden und sie als ein an sich unerreichbares Idealbild ansehen, das aber doch die eigene Strebensrichtung als Leitlinie bestimmt. Doch unsere heutige Denkweise tritt mit logischen Folgerungen und Reaiitätsansprüchen an eine solche Formulierung heran. Von diesem Standpunkt aus gesehen würde Gesundheit bedeuten, daß der Körper in seinen Funktionsabläufen völlig intakt sein müßte, die Psyche durch nichts beeinträchtigt sein sollte, und dass keinerlei Spannungszustände im sozialen Bereich bestehen dürften. Das ist selbstverständlich utopisch und nicht realisierbar. Abgesehen davon ist das „Befinden&quot; eine Gefühlssensation, die so subjektiv bestimmt ist, daß allein schon aus diesem Grunde keine meßbare und logische Festlegung des Gesundheitsbegriffs möglich erscheint<br />  Ich habe darum anstelle von „Gesundheit“ den Begriff „Eutonie“, als das Verhaltensmuster des Wohlbefindens, gewählt und bekannt gemacht. Unabhängig davon, ob Eutonie realisierbar ist, können wir aus den einzelnen Muskelphänomenen in bestimmten Lebenssituationen schließen, wie sich dieser Eutonus darbieten würde und von welchen Motivationen des Menschen er abhängig wäre. Beim kleinen Kind mag der Eutonus mit der vollkommenen körperlichen Gesundheit und der in dieser Lebensphase harmonischen, sozialen Integration durch die mütterliche Umsorgung zusammenfallen. Ich habe dazu „vorprädikative Eutonie&quot; gesagt.<br />  In der Mitte des Lebens muß der Mensch jedoch um diese soziale Integration ringen. Er muß durch immer neue Anpassungserfahrungen versuchen, sich zu nivellieren und das rechte Maß für sich zu finden. Schipperges macht uns darauf aufmerksam; daß schon Heraklit Gesundsein als ein Leben in Mitte und Maß auffaßte und daß für die Alten Gesundheit der lebenslange Prozeß einer stetigen Harmonisierung und ein Meistern von Schwierigkeiten im Spannungsfeld des Lebendigen gewesen sei. Nach Affermann ist es Sache des einzelnen, sich, soweit die Eigenkräfte reichen, mit den Widrigkeiten des Lebens auseinanderzusetzen. Er entwickelt dadurch Aktivitäten und Initiativen und reift an den Schlägen des Lebens zu einer „neuen Gesundheit&quot;. Dieses Maß der Mitte habe ich als „integrale Eutonie&quot; bezeichnet. Die Kriterien und Phänomene, die ihr zukommen, muß der Mensch im Wandel ihrer Variationen durchleben. Sie werden in ihrem Verhalten deutlich erkennbar.<br />  Aber auch der Mensch der die Mitte seines Lebens durchschritten hat und nicht mehr den Anspruch der Unversehrtheit stellt, der sich mit dem Reduziertsein bescheidet und die Tatsache des nahenden Todes nicht verdrängt, kann in philosophischer und religiöser Transzendenz eine Haltung verwirklichen, die im Sinne Beckers gesund ist und - aus meiner Sicht – der „transzendenten Eutonie&quot; entspricht<br />  Es gibt ein unabdingbares Kriterium sowohl für Gesundheit als auch für alle Erscheinungsformen der Eutonie. Ich habe es bereits am Anfang schon herausgestellt. Ohne eine Hinwendung auf die Welt, ohne Bezugsgefühl für Mitmenschen, ohne Verantwortung für sich und diejenigen, die einem vertraut sind - wie Affemann fordert - ohne die Liebe zum Du gibt es sie nicht<br />  Nach Viktor von Weizsäcker hat Gesundheit mit Liebe, Werk, Gemeinschaft, Freundschaft die Bejahung gemeinsam, die eindeutige Richtung, die nicht umgekehrt sein kann. Ohne Kontaktaufbau verfehlt der Mensch den Lebenssinn, der zur Gesundheit gehört.</p>
<p>4. Hiermit komme ich auf das Pragmatische zu sprechen. Über die Mitmenschlichkeit, über die Begegnung und Hilfestellung kann der Weg zur Eutonie und zum Gesundheitsbewußtsein geebnet werden.<br />  Das prekäre am Krankheitsgefühl ist, daß gerade diese Zuwendungs- und damit Heilmöglichkeit des Menschen beeinträchtigt, wenn nicht sogar blockiert ist und von außen her durch andere Menschen aufgebrochen werden muß. Doch wenn die Ärzte von heute von Gesundheit nichts mehr verstehen, wer sonst bringt dem Menschen ein Gesundheitsbewußtsein und eine Verantwortung für sich selbst bei?<br />  Muß auch das von hoher politischer Warte aus über Gesetzgebungen und soziale Institutionen dem unmündigen Bürger vorgeschrieben werden?<br />  Nein, hier geht es darum, das Gesundheitsgewissen in jedem einzelnen aufzurufen. So richte ich meinen Appell an die Pneopäden, als die „Wissenden um den Atem&quot;, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Die Arbeit am Atem fängt weit im Vorfeld der Krankheit an. Sie ist Lebensschulung. Doch diese Lebens-schulung endet auch nicht im Krankheitsfalle.<br />  Vorläufig gilt im medizinischen Sektor immer noch, dass als Therapie nur der Kampf gegen die definierte Krankheit angesehen wird. Maßnahmen, die seelische Bewältigung des Krankseins aufrufen und die Selbstregulation in Gang bringen und harmonisieren, also unspezifisch vorgehen, finden derzeit noch keine offizielle Würdigung als Therapie. Das drückt sich bereits im Honorierungsmaßstab für die Atemtherapie aus. Sie ist dort auf der untersten Stufe der Wertskala angesiedelt.<br />  Bei der Arbeit am Atem kommt es nicht auf intellektuelles Wissen und erlernte Fertigkeiten an. Dieses Arbeitsgebiet erfordert den ganzen Menschen mit Leib und Seele. Was der Pneopäde sich angeeignet hat und den Menschen diagnostisch und therapeutisch entgegenbringen kann; muß er vorher durch eigene Arbeit am eigenen Leibe durchlebt haben. Dann wird er aus subjektiver Erfahrung bestätigen: „Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, die sich ausdrückt im Gang, im Mienenspiel, in jedem Atemzug, kurzum im eigenen persönlichen Lebensstil.&quot;<br />  Gegenüber vielen anderen psychologischen und somatischen Praktiken und Lebenshilfen, die auch therapeutisch einsetzbar sind, hat der Pneopäde den Vorteil, daß er aus den Phänomenen der Atmung unmittelbar erkennen kann, in welcher leibseelischen Bewältigungsform sich der Mensch augenblicklich befindet und in welcher Richtung Veränderungen anzubahnen sind.<br />  Darum habe ich schon immer die Meinung vertreten, daß den Pneopäden ein gleichwertiger Platz neben den Ärzten zukommen sollte. Wenn diese sich der Ausbildung nach verstehen als Instanzen, die sich der Notfälle anzunehmen haben, wenn sich der Mensch tatsächlich nicht mehr aus sich selbst heraus zu helfen vermag, so würden sie im Pneopäden einen guten Partner finden, der gerade diese Selbsthilfe im Patienten anzusprechen vermag und ihn merkbar entlasten würde. Selbstverständlich bedingt das eine gegenseitige Wertschätzung, um die sich beide Seiten bemühen müssen.<br />  Die Wege, die von Seiten des Pneopäden beschritten werden können, sind vielseitig. Ob man sich entscheidet, die bewußte Lenkung einzusetzen, um den Atem erfahrbar zu machen, oder ob man ihn von vornherein in der Anonymität beläßt und nur die Motivationen für seine Veränderungen angeht, das sind Zugangspfade zu dem letztendlichen Ziel, daß der Sinn des Lebens, der Gesundheit, wie der Eutonie im kommunikativen Verhalten liegt.<br />  Lassen sie mich mit einem Wort von Schipperges schließen, in dem all das zum Ausdruck kommt, was auch mir am Herzen liegt:<br />  „Der gesunde Mensch wäre zu definieren als jener durch und durch kreative Mensch, der sich dem anderen und der Welt zuwendet, der aus der Erfahrung lernt und seine Meinung äußert und ändert, der die Kraft hat und den Mut gewinnt, etwas ins Leben zu investieren, sich einzusetzen, dranzugehen, selbst auf die Gefahr hin, dabei draufzugehen, der Spannung aushält, Konflikte löst. der den Streß meistert; der jeden Tag geschenkten Lebens als Chance nimmt und sich zeitlebens aufgehoben weiß im Prozeß eines Geborenwerdens, von dem man wohl nie ganz entbunden wird; ein Mensch der stirbt in der Lehrzeit. Gesundheit ist also kein Zustand, kein Besitz, nicht einmal ein Ziel, sondern der Gang auf dem Wege – ein Weg. der sich erst bildet, wenn man ihn geht.“</p>

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		<title>Atemtherapie für Demenzerkrankte</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Feb 2008 23:02:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
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von Edda Groenhagen, Atemtherapeutin aus &#160;Emden
Seit&#160; 5 Jahren arbeite ich mit an Demenz erkrankten Menschen mit dem Erfahrbaren Atem nach Prof. Ilse Middendorf mit großem Erfolg. Des besseren Verständnisses für die Problematiken bei Demenz, möchte ich diesen Bericht mit einer kurzen Zusammenfassung darüber beginnen.  Das Leben eines Dementen ist häufig geprägt durch das große [...]]]></description>
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<p>von Edda Groenhagen, Atemtherapeutin aus &nbsp;Emden</p>
<p>Seit&nbsp; 5 Jahren arbeite ich mit an Demenz erkrankten Menschen mit dem Erfahrbaren Atem nach Prof. Ilse Middendorf mit großem Erfolg. Des besseren Verständnisses für die Problematiken bei Demenz, möchte ich diesen Bericht mit einer kurzen Zusammenfassung darüber beginnen.<br />  Das Leben eines Dementen ist häufig geprägt durch das große Vergessen, durch Kontrollverlust und in großem Maße durch Ängste und daraus folgendem großen Stress. Auch psychische Empfindungen wie Vertrauen, Glück, Freude oder auch Hoffnung (auf Besserung und Linderung der Krankheit oder Schmerzen) können nicht mehr so selbstverständlich wie einst oder nur eingeschränkter  <span id="more-507"></span>  empfunden werden. Ebenso sind die Sinnesempfindungen schwer beeinträchtigt: wie Sehen, Hören, Fühlen. Sogar Schmerzen werden häufig im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr gefühlt. Instabilität, sowie das Gegenteil - extremer Bewegungsdrang, sind weitere Beeinträchtigungen.<br />  Da jeder Mensch ein Individuum ist, durchleben natürlich auch bei einer Demenz die Kranken verschiedene Stadien. Nicht in jedem Fall sind alle Symptomatiken gleichstark ausgeprägt. Das Verhalten eines jeden Menschen resultiert immer aus einer Interaktion seiner aktuellen Wahrnehmung und seiner gespeicherten kognitiven Verhaltensmustern. Ist dieser Informationsfluss gestört, reagieren diese Kranken auf ihre Leistungseinschränkungen auf sehr differenzierte Weise, am häufigsten mit Angst und Stress.<br />  Die Methode des Erfahrbaren Atems setzt hier ihre Wirkung an. Gerade da bei Dementen die Ratio nicht mehr wertend dazwischen steht, kann der Atem eher zugelassen werden und sie haben recht schnell positive Reaktionen. Es scheint, dass sie sogar neue kognitive Erfahrungen machen können, denn diese Übungen, einmal in der Woche ausgeführt, werden nach einer Weile behalten und erkannt. Sie machen Ihnen Spaß und ich habe erlebt, dass ihnen diese Atemstunde wichtig wird und sie erbost reagieren, wenn Störungen eintreten. Sich wieder für etwas einsetzen und interessieren, ist ein großer Fortschritt im Leben eines Dementen, der normalerweise mit allem was ihm von Außen zugetragen wird abgeschlossen hat und sich meistens nur noch zurückziehen möchte.<br />  Die o.g. Tatsachen erfordern bei der Therapie, Pflege und Beschäftigung mit den Dementen ein Umdenken und Umsetzen der gängigen Vorgehensweisen. Die Kranken können nicht mehr erkennen, dass beim Aufdehnen einer Gegend der Einatem kommt und beim Zurückschwingen der Ausatem und danach die Atempause folgt. Ich leite an: &#8230;.mit dem Einatem, &#8230; mit dem Ausatem. Zu dieser Veränderung der Anleitung hat Prof. I. Middendorf ihre Einwilligung gegeben, die auch nur für die Therapie von Dementen aufgrund ihrer psych. Situation anzuwenden ist.<br />  Gerade all diese gravierenden Beeinträchtigungen, verbunden mit Orientierungslosigkeit (verstärkt auch durch den Umzug in ein Heim) lassen den Atem ins Stocken geraten, ihn klein werden. Somit kann der Körper nicht mehr ausreichend mit lebenswichtigen Energien versorgt werden.<br />  Wir beginnen die Atemstunde mit Dehnen, um erst einmal überhaupt den Körper neu zu erspüren. Schon gleich erfolgen entspannende Gähner, die aber auch zum Lachen reizen. In schon fröhlicherer Stimmung erarbeiten wir uns den unteren Atemraum durch einen Fußtanz, Kreisen der Fußgelenke oder durch im Atemrhythmus auf und nieder gedehnten Füßen.&nbsp;&nbsp;Das Knie ausstreichen, sowie das bewusste Heben und neue Aufsetzen des Beines, ergibt eine Bewusstheit für den neuen Stand - Punkt, bzw. überhaupt einen Bezug zum eigenen Bein/ Stand, und eine neue Lebendigkeit.<br />  O – Ton einer Kranken beim Nachspüren: das Bein steht fest, als wolle es die ganze Verantwortung übernehmen. Wärme, Durchströmen, Kribbeln wird empfunden So erarbeiten wir uns weiter mit präziser und deutlicher Anleitung die Atemräume. Wohltuend wird bei der Schulterarbeit eine neue Leichtigkeit, Entspannung, Fröhlichkeit, Freiheit empfunden. Ein Geschenk welches diese Mitmenschen auch so empfinden und sogar neu!! benennen können.<br />  Die verschiedenen körperlichen Beeinträchtigungen der Kranken berücksichtigend, biete ich die Druckpunktarbeit und in jeder Gegend auch immer die Vokalarbeit an, die besonders geliebt wird. Sogar ein „Ä“oder „P“ welches für Damen und Herren in diesem hohen Alter oft erst einmal als ungebührlich (so etwas tut man nicht) empfunden wird, wird gerne getönt und Freiheit, Entspannung, Fröhlichkeit und „mehr Luft und Weite“ in den Seiten erspürt. Auf Vokalarbeit reagieren auch diejenigen, die sich aufgrund ihres fortgeschrittenen Stadiums nicht mehr gut bewegen und sehen können.<br />  Am Ende der Stunde, tritt ein Wohlbefinden ein, welches auch von den meisten Kranken dankbar empfunden wird und immer von außen zu sehen ist. Der Atem wird sehr viel kräftiger, die flache Hochatmung hat sich oft in eine bewegende Bauchatmung gewandelt. Die Leichtigkeit und Lebendigkeit des eigenen Atems beginnt durch den Körper zu strömen.<br />  Durch eigenes Spüren und eine neue Bewusstheit bekommen die Kranken einen neuen Bezug zu ihrem Körper und eine psych. bessere Stimmung. Durch die neue Aufrichtung wird nicht nur das Sitzen leichter, sondern es richtet sich der Blick, der meistens nach unten gerichtet ist, auf und der Kranke kann die ganze Umgebung besser wahrnehmen. Die Kommunikation mit den Nachbarn wird verbessert.<br />  Im Pflegebereich ist auch noch ein sehr wichtiger anderer Punkt relevant: die Prophylaxe. Durch das ganzheitliche Ansprechen und Bewegen des Körpers erreicht man durch diese Atemarbeit viele Prophylaxen. Um nur einige zu nennen: Thrombose-; Obstipations-, Hypo-, Hyper-, und Pneumonieprophylaxe.<br />  Fazit: Sehr verblüffend war für mich zu sehen, dass diese Demenzerkrankten durchaus ebensolche Erfahrungen machen können wie „Gesunde“. Nicht immer gelingen die Übungen gleich, aber die Wirkungen sind spürbar und sichtbar. Vor allem wird Wohlbefinden und die Atmung gestärkt und Freude empfunden, was einfach enorm wichtig für diese Erkrankten ist.<br />  Edda Groenhagen 2008<br />  Atempädagogin nach Middendorf<br />  email: <a href="mailto:e.groenhagen@ewetel.net">e.groenhagen@ewetel.net</a><br />  &nbsp;</p>

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		<title>&#8220;Der Atem reagiert auf das, was wir erleben&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Feb 2008 12:26:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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Interview in &#34;Psychologie Heute&#34; (2004/08) mit Dr. phil. Karoline von Steinaecker&#160;&#160;
Was passiert mit dem Atem, wenn man ängstlich, gestresst oder krank ist? Die meisten Menschen wissen das nicht. Sie achten nicht auf ihren Atemrhythmus. Dabei lässt sich an der Art, wie wir ein&#160;und ausatmen, nicht nur sehr viel über unsere psychische Verfassung ablesen. Wer vom [...]]]></description>
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<p>Interview in &quot;Psychologie Heute&quot; (2004/08) mit <a href="/?page_id=161">Dr. phil. Karoline von Steinaecker&nbsp;&nbsp;</a></p>
<p>Was passiert mit dem Atem, wenn man ängstlich, gestresst oder krank ist? Die meisten Menschen wissen das nicht. Sie achten nicht auf ihren Atemrhythmus. Dabei lässt sich an der Art, wie wir ein&nbsp;und ausatmen, nicht nur sehr viel über unsere psychische Verfassung ablesen. Wer vom Atmen wieder Besitz ergreift, kann sein Wohlbefinden deutlich verbessern. Ein Gespräch mit der Atemtherapeutin&nbsp;Dr. phil. Karoline von Steinaecker</p>
<p>PSYCHOLOGIE HEUTE Unser Leben lang atmen wir wie selbstverständlich ein und aus. Und doch ist der Atem etwas so Besonderes, dass es dafür eine eigene Therapie gibt. Weshalb?<br />  KAROLINE VON STEINAECKER Das Atmen geschieht unwillkürlich und willkürlich zugleich. Wir können den ganzen Tag verbringen, ohne ans Atmen zu denken. Doch es atmet in uns. Aber wir können auch willkürlich in das Atmen eingreifen und haben damit eine Möglichkeit, Besitz von einer Funktion in uns zu ergreifen, die manchmal fehlgesteuert ist. Damit können wir sie wieder in eine richtige Bahn bringen.</p>
<p>PH Was meinen Sie mit &quot;Besitz ergreifen&quot;?<br />  VON STEINAECKER Man kann das Atmen zunächst einmal in seiner unwillkürlichen Form kennen lernen, das heißt für das Atemgeschehen aufmerksam werden. Dann kann man  <span id="more-495"></span>  in das Atmen steuernd eingreifen durch Übungen, die es wieder rhythmisieren oder beruhigen oder anfachen, je nachdem, was man gerne erreichen möchte.</p>
<p>PH Wenn man das Atemgeschehen willkürlich beeinflussen kann, bedeutet das auch, dass sich jeder Mensch in seinem Leben seine besondere Art zu atmen formt?<br />  VON STEINAECKER Der Atemrhythmus ist sehr individuell und davon geprägt, was ein Mensch erlebt hat. Wenn jemand zum Beispiel ein sehr ängstliches Leben gelebt hat, wenn er viel erlebt hat, das ihn sehr verängstigte, dann neigt er zu einem ängstlichen Atmen. Man hält den Atem an, oder der Atem wird flatterig, wenn man erschrickt. Behält man diesen Atemrhythmus bei, obwohl die Situation nicht mehr ängstigend ist, beeinträchtigt er weiterhin die Stimmungslage.<br />  PH Wodurch zeichnet sich ein &quot;ängstlicher Atemrhythmus&quot; aus?<br />  VON STEINAECKER Ein ängstlicher Atem ist zum Beispiel flach. Er ist nicht tief, nicht ausgewogen, nicht langwellig, sondern eher kurzwellig. Ein Mensch, der so atmet, ist durch Dinge, die von außen auf ihn einwirken, oder durch innere Bilder schneller aus der Bahn zu werfen. Er gerät leicht in Panik, und dann wird sein Atem noch chaotischer. Wer dagegen einen ruhigen, ausgewogenen Atemrhythmus hat, ist durch äußere Einflüsse nicht so leicht zu irritieren.</p>
<p>PH Muss man sich das so vorstellen, dass die Art, wie wir atmen, zu einer körperlichen Gewohnheit wird, auf die Welt zu reagieren?<br />  VON STEINAECKER So kann man das sagen. Wenn ich eine bestimmte Situation erlebe, reagiere ich erneut mit dem Atemmuster, das ich erworben habe. Auch innere Stimmungslagen werden mit dieser erlernten Atemreaktion beantwortet. Das heißt, der Atem reagiert auf das, was ich erlebe, immer mit einem bestimmten Muster&nbsp;&nbsp; ob ich nun fünf Treppen hochlaufe oder gerade etwas Besonderes erfahre. Wir gewöhnen uns Verhaltensmechanismen und Atemmechanismen an. So wie jemand eine persönliche Gestik hat, so hat er auch einen ganz persönlichen Atemrhythmus.</p>
<p>PH Bedeutet das, dass Sie als Atemtherapeutin aus der Art, wie jemand atmet, Eigenheiten eines Menschen erkennen können?<br />  VON STEINAECKER : Ich kann anhand des Atemrhythmus erkennen, in welcher emotionalen Struktur jemand lebt. Ich kann aber nicht sehen, was jemand erlebt hat, oder interpretieren, warum derjenige ein solches Atemmuster entwi ckelt hat. Um das zu wissen, muss ein Mensch mir erzählen, was er erlebt hat, was also hinter seiner Art zu atmen steckt.</p>
<p>PH Was erkennen Sie am Atmen, wenn Sie von &quot;emotionaler Struktur&quot; sprechen?<br />  Eine Charakterstruktur, eine Einstellung gegenüber dem Leben? Oder bemerken Sie, wie gehemmt oder frei ein Mensch ist?<br />  VON STEINAECKER Man kann am Atemrhythmus eine Charakterstruktur erkennen. Wenn zum Beispiel jemand ausgesprochen zwanghaft ist, ist sein Atemrhythmus sehr eng. Man sagt auch, der Atem ist sehr artig: Er geht rein, raus, rein, raus, ohne eine individuelle Note zu haben. Ist jemand dagegen mit seinem Atem sehr weiträumig, durchflutet die Atemwelle den ganzen Körper, dann bedeutet das, dass er sich in seinem Körper wohl fühlt. Ansonsten würde die Atemwelle nicht durch den Körper hindurchgehen, weil Verspannungen sie blockieren würden.<br />  PH Kann man also am Atem sehen, wie stark jemand unter Spannung steht?<br />  VON STEINAECKER: ja, es gibt eine Stressatmung. Man erkennt sie zum Beispiel daran, dass jemand keinen Atemausschlag im Rücken hat. Die Atemwelle erreicht normalerweise auch den Rücken. Ist der Rücken aber stramm gespannt und ohne Elastizität, kommt dort keine Bewegung an. Daran kann man zum Beispiel eine hohe Stressbelastung erkennen.<br />  PH Wie diagnostizieren Sie so etwas?<br />  VON STEINAECKER Wir fassen die Menschen an, allerdings nicht auf der nackten Haut, weil das eine zu starke Körpersensation ist. Wir berühren sie auf der Kleidung. Wir legen die Hand auf den Rücken, auf den Bauch, auf den Brustkorb, um mitzu-bekommen, ob dort eine Bewegung zu spüren ist. Auf diese Weise nimmt man gleichzeitig miteinander Kontakt auf, und allein dadurch kann sich das Atemmuster schon verändern.</p>
<p>PH Wenn Sie von &quot;wir&quot; sprechen, wen meinen Sie damit?<br />  VON STEINAECKER : Mit &quot;wir&nbsp; meine ich den Berufsverband der Atemtherapeuten und Atempädagogen, dessen Mitglieder in ähnlicher Weise behandeln, auch wenn es verschiedene methodische Ansätze gibt. Aber das Anfassen, das Berühren wird in allen Methoden ähnlich praktiziert. Es hat therapeutische und pädagogische Ziele, aber es dient auch der Diagnostik.</p>
<p>PH Was bekommen Sie dabei mit? Wohin jemand atmet? Ob zum Beispiel der Atem in den Bauch oder in die Brust geht, was man häufig unterscheidet?<br />  VON STEINAECKER Diese Unterscheidung ist sehr problematisch. Die Atmung hängt von der jeweiligen Situation ab. Die Brustatmung ist betont, wenn man geistig tätig ist oder die Arme nach oben streckt, wie beim Aufhängen von Gardinen. Denn dabei wird der Brustkorb nach oben gedehnt. Die Bauchatmung ist eine Tiefatmung, die sehr durch das Zwerchfell verursacht wird. Sie ist stärker, wenn man körperlich schwer arbeitet. Man kann aber nicht sagen: Man muss eine Bauchatmung haben oder man muss eine Brustatmung haben. Oder wie man früher immer gesagt hat: Frauen hätten eine Brustatmung und Männer eine Bauchatmung. Das ist völliger Unsinn.</p>
<p>PH Aber die Bauchatmung hat den Ruf die bessere oder ursprünglichere Atmung zu sein.<br />  VON STEINAECKER Das kann man so nicht sagen. Die Bauchatmung wird vor allem von Sängern bevorzugt, weil sie damit ihre Stimme stützen. Aber sie ist nicht besser. Wenn allerdings jemand überhaupt keine Bauchatmung hat, sollte er lernen, in den Bauch hineinzuatmen und sein Zwerchfell in Bewegung zu setzen. Ein Unterschied ist, dass man eine Brustatmung willkürlich mit den Atemhilfsmuskeln herstellen kann, eine Bauchatmung dagegen nicht so leicht.</p>
<p>PH Bisher haben wir über die Diagnose der Persönlichkeit gesprochen. Aber lassen sich anhand des Atmens auch Krankheiten diagnostizieren? Atmet man in einer besonderen Weise, wenn man ein Magengeschwür oder eine Depression hat?<br />  VON STEINAECKER Krankheiten kann man nicht diagnostizieren. Man kann allenfalls sagen, dass jemand bestimmte Körperbereiche ausgrenzt. Zum Beispiel atmen Menschen, die eine Darmentzündung und daher starke Schmerzen im Bauchbereich haben, ungern in den Bauch, weil sie damit an ihre Schmerzen erinnert werden. Und das heißt: Sie grenzen einen Körperbereich aus, und die Atembewegung geht nicht dorthin. Man kann aber nicht sagen: jeder, der nicht in den Bauch atmet, hat eine Darmentzündung.<br />  Man kann zum Beispiel feststellen, dass jemand einen verkürzten Atemrhythmus hat, nur ein&nbsp; und ausatmet, keine Pause in der Ruheatmung macht und daher sehr gehetzt zu sein scheint. Aber woher das Gehetzt sein kommt, ob es die Folge einer Angst oder eines stressigen Lebens ist, kann man anhand des Atems nicht sagen.</p>
<p>PH Wäre es ein Ziel in der Atemtherapie, den Atem dahin zu führen, wo er nicht hinkommen kann?<br />  VON STEINAECKER Es ist ein mögliches Ziel, den Atem wieder so zu verbreitern, dass er durch den ganzen Körper fließt. Das Körperbild vergrößert sich, wenn jemand sich nicht nur in einem kleinen engen Kern seiner selbst spürt, sondern wieder von Kopf bis Fuß ausbreitet. Das macht einen handlungsfähiger und flexibler im Leben.</p>
<p>PH Wie läuft das in einer Atemtherapie praktisch ab? Sie sprachen vom Anfassen&nbsp;&nbsp; machen Sie auch Übungen zur Wahrnehmung, arbeiten Sie mit Bewegungen, die den Atem hervorrufen, wie beispielsweise mit den Armen zu schwingen, oder mit Massagen?<br />  VON STEINAECKER Alles, was Sie gesagt haben, wird angewandt. Praktiziert man Atemtherapie in der Gruppe, macht man mehr Körper-, Dehn&nbsp; oder Ruhelagerungs-übungen. Hier führen die Teilnehmer selbst Bewegungen aus. In der Einzeltherapie hingegen bewegt meist der Atemlehrer den Klienten. In der Regel legt sich der Klient oder die Klientin hin, und man diagnostiziert als Erstes, mit der Hand tastend, wohin der Atem geht. Wenn man dann zum Beispiel merkt, dass der Rücken unbewegt, hart und verspannt ist, beginnt man über Aufmerksamkeitsübungen den Atem wieder dorthin zu lenken. Das bedeutet zunächst nur, hinzuspüren zu der Hand, die auf dem Rücken liegt. Weiter kann man über Dehnungen oder Druck, also mit etwas stärkeren Interventionen die Aufmerksamkeit zu diesen Körperpartien leiten und den Atem dorthin locken. Denn die Atmung reagiert auf Dehnreize, und in der Folge erzeugt sie eine Lösung verspannter Muskulatur, da sich auch die Stimmungslage verändert.,</p>
<p>PH Ist der Patient dabei weitgehend passiv?<br />  VON STEINAECKER Man sagt immer das er passivi st. Aber das ist nicht ganz richtig. Muskulär gesehen ist er passiv, weil er auf der Liege ruht. Aber mit seiner Aufmerk-samkeit ist er ausgesprochen anwesend. Er sollte nicht abgleiten in eine Traumwelt oder in eine totale Entspannung, sondern aufmerksam das Körpergeschehen beobachten. Was er erlebt, sollte er anschließend verbalisieren können, weil dadurch der Lernprozess verstärkt wird.</p>
<p>PH Ich würde Ihre Vorgehensweise gerne einmal an einem Beispiel nachvollziehen.<br />  VON STEINAECKER&nbsp;&nbsp; Ich kann Ihnen von einer Frau erzählen, die mich wegen starker Ängste aufsuchte. Sie war in einer Lebenskrise und wurde von Panik überfallen, wenn sie auf die Straße ging oder Auto fuhr. An ihrer Atmung konnte man ihre Angst nicht sogleich sehen, denn sie hatte einen rhythmischen Atem, der auch in den Bauch ging. Aber als ich ihre Beine anfasste, merkte ich, dass sie in einem stramm gespannten Zustand waren, das heißt, die Muskulatur war überhaupt nicht flexibel. Daran konnte man sehen, dass sie sich selbst sehr festhielt. Sie musste damals stark sein, weil sie sich von Mann und Kindern getrennt hatte und die Kinder immer nur in Besuchs-situationen sah. Sie hatte dabei das Grundvertrauen verloren und musste langsam die Gewissheit wiedergewinnen, von der Erde getragen zu werden. Dass diese Welt sie hält und trägt und nicht sie selbst den Kraftaufwand betreiben rnuss, sich zu tragen und zu halten. Dieser Konflikt hat sich bei ihr in Form von Spannung in den Beinen bemerkbar gemacht.</p>
<p>PH Wie aber konnte diese Frau ausgerechnet über den Atem erfahren, dass die Erde sie trägt? In den Beinen gibt es schließlich keine Bronchien.</p>
<p>VON STEINAECKER Aber die Atembewegung kann in die Beine kommen. Wenn Sie einen Säugling anschauen, können Sie sehen, wie ihn die Atembewegung von Kopf bis Fuß bewegt. Das ist bei erwachsenen Menschen schon sehr eingeschränkt. Sie müssen sich das so vorstellen: Die Lunge dehnt sich aus, und dann gibt es eine Wellenbewegung, die das umliegende Gewebe verdrängt. Am deutlichsten sieht man das am Bauch, wo das Zwerchfell nach unten drückt und dabei die Bauchorgane nach außen drängt, so dass der Bauch sich nach außen wölbt. Das ist, als würden Sie einen Stein ins Wasser werfen und damit eine Wellenbewegung erzeugen, die zum Rand hin immer kleiner wird. Auch die Lunge erzeugt mit dem Einströmen des Atems eine Wellenbewegung, die bis in die Beine und bis in die Zehen gehen kann, allerdings dort nur sehr selten sichtbar und spürbar ist. Wenn aber die Beine verspannt sind, ist diese Wellenbewegung auf keinen Fall mehr zu bemerken. Diese Spannung und die damit verbundene Angst kann man allmählich lösen. Das ist ein bewusster Prozess.</p>
<p>PH Ein Mensch gewinnt wieder mehr Halt im Leben, wenn die Welle durch die Beine bis zum Boden spürbar ist?<br />  VON STEINAECKER Über Übungen können Sie das Vertrauen, getragen zu werden, wiedergewinnen. Wenn Sie sich zum Beispiel hinstellen und Kontakt zum Boden aufnehmen, können Sie merken, dass sich die Spannung langsam löst und Sie trotzdem gehalten werden. Sie fallen dabei nicht um, und das ist eine leibliche Erfahrung, die auch einen seelischen Ausdruck findet.</p>
<p>PH Sprechen Sie auch über die Bedeutung und die Hintergründe solcher leiblichen Erfahrungen?<br />  VON STEINAECKER Es gibt Methoden, die das nicht tun und alles im Unbewussten belassen. Ich halte es aber für wesentlich, über das Erlebte zu sprechen, weil es darüber ins Bewusstsein kommt.</p>
<p><strong>Atemübungen für den Alltag<br />  </strong>Wenn Sie morgens Ihre Atmung für das Aufstehen anregen wollen: Bevor Sie die Augen öffnen und das Bett verlassen, wenden Sieden Blick nach innen, spüren Sie Ihren Rücken und bewegen Sie die Wirbelsäule wie eine Schlange mit winzig kleinen Bewegungen und ohne sich anzustrengen. Allmählich können Sie größere Bewegungen machen und anschließend Füße und Hände leicht bewegen. Danach können Sie sich ausgiebig dehnen, am besten am offenen Fenster. Am Schluss bleiben Sie mit weit nach oben ausgebreiteten Armen stehen und nehmen bewusst wahr, wie die Atembewegung Sie durchzieht.</p>
<p>Wenn Sie während des Tages müde sind und wieder Kraft brauchen: Stellen Sie sich hin, achten Sie darauf, dass die Fuß , Knie&nbsp; und Hüftgelenke locker sind, und schwingen Sie Ihre Arme locker um sich herum. Atmen Sie durch leicht geöffnete Lippen aus und bemerken Sie den Strom des Ausatmens. Sie erhalten dadurch eine rhythmische Atemanregung, die Ihre Müdigkeit vertreiben kann. Anschließend strecken Sie Ihren Unterkiefer nach unten aus und öffnen weit den Mund. Es kann sein, dass Sie nun gähnen müssen.</p>
<p>Wenn der Tag anstrengend war: Legen Sie sich auf den Boden oder auf ihr Bett, Dehnen Sie sich und legen Sie dann die Handflächen auf den Bauch. Streichen Sie über den Bauch einige Male im Uhrzeigersinn und lassen Sie die Hände dann ruhig liegen. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit in die Hände und versuchen Sie wahrzunehmen, was sich unter Ihren Händen im Bauch bewegt. Allmählich wird sich eine Atembewegung bemerkbar machen. Anfangs vielleicht noch klein und hektisch, je nachdem, was Sie im Alltag erlebt haben. Aber mit der Zeit kann Ihr Atem größer werden und Sie allmählich ganz ausfüllen. Genießen Sie den Zustand des Nichtstuns: Der Atem kommt und geht von alleine und bringt Ruhe, Kraft und Gelassenheit zurück.&nbsp;</p>

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